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Freitag 23.07.2010

Loveparade in Duisburg: Fett darf nur der Beat sein?

Impressionen von der Loveparade, Foto: Pressefoto

Impressionen von der Loveparade, Foto: Pressefoto

Am Samstag,  24. Juli, ist Duisburg the Place-to-be für Techno-Jünger. Die Loveparade kommt. Auf dem ehemaligen Güterbahnhof liegt das Festival-Gelände, “idyllisch” neben der A59 und dem Gleisnetz des Duisburger Hauptbahnhofs. Eine typische Kulisse rauer Industriekultur, die Vorbereitungen dafür konnten die Duisburger aus der Ferne miterleben. Eine Loveparade-Kolumne der Duisburgerin Anke Ziebuhr.

Bagger ebneten die tiefen Löcher im Boden und machten die abrissreifen Hallen dem Erdboden gleich. Eine Halle blieb stehen und verkörpert mit ihrem charmant-dreckigen Anblick ein typisches Bild des Ruhrgebiets.

Wummerne Bässe, stakkatische Beats dringen aus den Boxen der Floats, die von tausenden Feiernden umgeben sind. Aus der Vogelperspektive wirken die Wagen winzig zwischen den Menschenmassen, die enthusiastisch, manchmal selbstvergessen, drogenverklärt oder profilierend zur Musik tanzen. Das ist die Loveparade.

Alle Anwohner, die der elektronischen Tanzmusik nichts abgewinnen können, sollten sich mit Ohropax versorgen. Kurz vor Beginn der Loveparade könnten die stille-versprechenden Ohrstöpsel in Duisburg aber bereits Mangelware sein, wie Ventilatoren in Zeiten subtropischer Temperaturen.

Prognose: Über eine Millionen Besucher auf der Loveparade 2010 in Duisburg

Die Veranstalter rechnen auch diese Jahr wieder mit über einer Millionen Besucher. Zum dritten Mal findet die Loveparade im Ruhrgebiet statt, Dortmund und Essen waren die Vorgänger-Städte. Die Medienresonanz ist groß, schon im Vorfeld erregt die Loveparade in Duisburg viel Aufsehen.

In zahlreichen Specials berichten Lokalpresse und internationale Medien über das größte Techno-Event. Denn die Ruhrgebietsstädte und der Veranstalter hatten auch in den Vorjahren Schwierigkeiten mit der Finanzierung, Organisation und dem fehlendem Platz in den bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands. In Bochum ist sie deswegen 2009 ausgefallen und das trotz angeblicher politischer Unterstützung und der daraus resultierenden Planungssicherheit von 2007 bis 2011, wie es die Loveparade-Veranstalter auf ihrer offiziellen Loveparade-Website behaupten.

ipaid for Love?

Zweifel und Kritik gab es im Vorfeld und bis jetzt reichlich. Kann Duisburg die Loveparade stemmen? Lange Zeit war es nicht sicher, ob die hochverschuldete Stadt, mit einem Schuldenberg von drei Millarden Euro, dieses Mega-Event überhaupt finanzieren kann. Neben dem Hauptsponsor Mc Fit, der sich mit 3 Millionen Euro beteiligt, muss die Stadt einen Anteil von mindestens 840.000 Euro beitragen, was ihr aber von der Düsseldorfer Landesregierung untersagt wurde.

Wo kommt also der Duisburger Anteil her, mit dem zusätzliche Nahverkehrszüge und Sonderbusse (etwa 700 extra eingesetzte öffentliche Verkehrsmittel) sowie die Umbauten auf dem Gelände finanziert wurden? Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerländer verkündetet Mitte Februar, der städtische Anteil solle durch geheime Spender refinanziert werden. Wer diese Spender sind, ist bis heute nicht bekannt. Und auch nicht, ob wirklich die ganzen 840.000 Euro zusammen gekommen sind.

Daher hat die Duisburger Marketing Gesellschaft und andere Akteure weitere finanzielle Konzepte realisiert: Fans und Anhänger können die Stadt mit einer Spende unterstützen und erhalten „Party-Lifter“-Buttons oder „ipaid for Love“ -T-Shirts. Also, richtige Fans erkennt man am T-Shirt; nur auf Facebook mit der Loveparade befreundet sein, reicht also nicht ;-)

Fett darf nur der Beat und Glas darf überhaupt nicht auf der Loveparade sein

Der Hauptsponsor des kommerziellen Massenevents, Mc Fit, in dessen Vorstand übrigens auch der Loveparade-Geschäftsführer Rainer Schaller sitzt, hat auch dieses Jahr wieder die Klitschko-Brüder im Gepäck. „Fett darf nur der Beat sein“, damit werben die beiden Brüder auf Plakaten für Loveparade und Fitnesskette am Duisburger Hauptbahnhof. Was soll das heißen? Gibt es neben dem Verbot für Glasflaschen, Gurkengläsern und allen anderen Glasbehältnissen in Duisburgs Supermärkten und auf dem Festivalgelände, auch eine Gewichtskontrolle der Teilnehmer?

Fairness, Respekt, Toleranz und Safer Sex bei der Loveparade

Die größte Technoparty der Welt steht dieses Mal unter besonderer Fittiche, Schirmherr ist die RUHR.2010. Das Motto „The Art of Love“ steht im Kulturhauptstadtjahr, laut RUHR.2010, für Feiern mit „Fairness, Respekt und Toleranz“ und natürlich Safer Sex. Also ist die Loveparade doch keine kommerzielle, sondern eine eine kulturelle Veranstaltung der Jugend? Eine Definition ist schwierig, die Meinungen gehen auseinander. Selbst eine eigene Rubrik wäre etwas sperrig: kommerzielle Post-Underground-Jugendkultur-Massenveranstaltung.

Die Loveparade in Duisburg – ein urbanes Abenteuer

„Friede Freude Eierkuchen“, unter diesem Slogan startete die erste Loveparade 1989, noch als Friedensdemonstration, in Berlin. Daran erinnern mittlerweile nur noch die schrillen, meist neonfarbenen Kostümierungen der Raver und ihr Hang zu viel nackter Haut. In Sachen Styling sollten die Tanzfreudigen dieses Jahr auf Flip-Flops, High-Heels und hohe Plateau-Schuhe verzichten, denn der Untergrund des Geländes besteht aus sehr grobem Schotter. Vielleicht die eigentliche Challenge dieser Parade:

Wie viel „Toleranz“ bringe ich für Steinchen in meinem Schuhen, Schürfwunden und Staub in meinen Lungen auf? „Respekt“ vor der Stylinghürde: Wie kombiniere ich mein sexy Outfit am besten mit Mamas derben Wanderschuhen? Und wie steht es um meine „Fairness“, wenn die Veranstalter mich nach einer 6 Stunden Anfahrt nicht aufs Gelände lassen, weil die Kapazität von einer Millionen Leute schon überschritten ist?

Aber nur pessimistische Dauernörgler würden hier einen Nachteil sehen: Die Loveparade auf Duisburgs Schottermeile ist ein urbanes Abenteuer, das der Veranstaltung noch den Extra-Kick gibt. Und falls auf der Schottertanzfläche (230.000 qm mit einer Besucher-Kapazität von 500.000 Menschen) kein Platz mehr ist, tanzt doch einfach auf dem extra angelegten Loveparade-Kreisverkehr (PDF) vom Hauptbahnhof zur Event-Area, sozusagen dem eigenen „Still-Leben“ der Loveparade, weiter.

httpv://www.youtube.com/watch?v=JVTErx71ctE

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