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Freitag 30.07.2010
Der unsichtbare Dritte – Denis Menchov
Vielen, die Radrennen nur unregelmäßig verfolgen und sich vielleicht nur in den berüchtigten drei Wochen im Juli für die Sportart interessieren, mögen nicht alle Kandidaten des Abschlusspodiums in Paris bekannt gewesen sein.
Die ersten beiden Plätze gingen wie im letzten Jahr an den Spanier Alberto Contador und den Luxemburger Andy Schleck, zwischen denen der Wettkampf bei der diesjährigen Ausgabe allerdings wesentlich knapper und spannender ausfiel. Schaffte Lance Armstrong bei seinem Comeback 2009 noch den dritten Platz, so war er dieses Jahr bereits nach wenigen Etappen weit abgeschlagen. Stattdessen stand als Dritter ein Fahrer auf dem Podium, dessen Name der breiten Öffentlichkeit nicht unbedingt geläufig sein dürfte: der Russe Denis Menchov.
Grand-Tour-Sieger
Dabei hat der 32-Jährige vom niederländischen Team Rabobank bereits mehrere Siege bei Grand Tours, den dreiwöchigen Landesrundfahrten, auf dem Konto. 2005 und 2007 gewann er die Vuelta a España, die Spanienrundfahrt, und im letzten Jahr den Giro d’Italia. Auch bei kürzeren Etappenrennen wie der Murcia- und der Baskenlandrundfahrt war er erfolgreich. 2001, in seinem zweiten Jahr als Profi, siegte er bei der Tour de l’Avenir, einer französischen Rundfahrt für Jungprofis, die als Fingerzeig für zukünftige Erfolge gilt. Nur zwei Jahre später war er als Elftplatzierter der beste Jungprofi bei der Tour de France und durfte somit auf dem Podium in Paris das weiße Trikot überstreifen.
Trotz seiner Erfolge ist der Profi aus dem zentralrussischen Orjol kein Star mit riesiger Gefolgschaft. Er genießt Ansehen und Respekt bei Fans und Kollegen – aber er löst weder Begeisterungsstürme aus, noch polarisiert er wie es ein Armstrong tut. Anders als dieser gibt Menchov auch keine kernigen Statements von sich. In Interviews ist er eher einsilbig, und auch im Rennen ist er meist so unauffällig, dass er sich Spitznamen wie „Die Sphinx“ oder „The Silent Assassin“ eingehandelt hat. Seine Trikots wäscht er gerne selbst, weil es so entspannend sei, ist bei Cyclismag zu lesen. Statt der Feier seines Teams anlässlich seines Sieges bei der Tour de l’Avenir beizuwohnen, sei er lieber nach Hause nach Orjol gefahren – um zu heiraten.
Familienmensch Menchov
Seiner russischen Heimat ist er verbunden geblieben: Zwar lebt er während der Saison mit seiner Frau Nadeshda und den drei Kindern im spanischen Pamplona, den Winter verbringt die Familie jedoch regelmäßig in Russland und kehrt erst im Januar nach Spanien zurück. Aus Pamplona kommt auch sein großes Vorbild Miguel Induráin, der in den Jahren 1991 bis 1995 fünf Mal die Tour de France gewann. Menchov begann seine Karriere im spanischen Team Banesto (später Illes Balears), bei dem auch Induráin fuhr. Wie Induráin verbindet Menchov die entscheidenden Fähigkeiten eines Klassementfahrers: stark in den Bergen, genug Ausdauer, um drei Wochen auf hohem Niveau zu fahren, und darüber hinaus genug Kraft, um bei langen Zeitfahren gut abzuschneiden.
Wie bei allen erfolgreichen Sportlern steht auch bei Menchov die Dopingfrage im Raum. Bemerkenswerter Weise profitierte der Russe selbst von den Dopingvergehen anderer, ohne selbst je mit unregelmäßigen Werten aufzufallen. 2008 erreichte er bei der Tour de France als Vierter des Gesamtklassements das Ziel in Paris; da jedoch dem Drittplatzierten, dem Österreicher Bernhard Kohl, sein Ergebnis wegen eines Dopingvergehens aberkannt wurde, rückte er im Klassement auf den dritten Platz vor. Auch seinen ersten Vuelta-Sieg bekam er nachträglich zugesprochen, nachdem dem ursprünglichen Sieger Roberto Heras Epo-Doping nachgewiesen wurde. Menchov selbst ließ sich für kurze Zeit die Trainingspläne von dem berüchtigten Arzt Luigi Cecchini schreiben, brach den Kontakt jedoch nach eigenen Angaben bald ab, da er selbst seinen Körper besser kenne. Ebenso fiel sein Name im Zusammenhang mit den Dopingskandalen um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes und die österreichische Firma Humanplasma.
Vertragsverhandlungen?
Menchovs Vertrag mit Rabobank läuft Ende des Jahres aus, und es ist noch vollkommen unsicher, für welches Team der Russe nächste Saison starten wird. Immerhin gibt es mit Katusha mittlerweile ein russisches Team. Doch auch Astana, das Team von Toursieger Contador, soll interessiert sein, da dieser die Mannschaft verlässt. Egal, wo er nächstes Jahr fährt: Sollte Menchov der erste Russe sein, der die Tour de France gewinnt, werden die Siegerinterviews nicht besonders lang ausfallen.
Artikel von Katharina Schulz, abgelegt in der Kategorie Allgemein, Sport und verschlagwortet mit denis menchov, giro d'italia, grand tour, klassementfahrer, radsport, tour de france, vuelta a espana. Es wurden bisher 0 Kommentare abgegeben.
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