Anlage Zeche Zollverein Fotoquelle: Brigida Gonzáles
Anlage Zeche Zollverein

Und am Ende ein Gläschen Korn auf Zollverein

Am Anfang der Lohn von 350 D-Mark. Später der Aufstieg, dann die Schließung. Ehemalige Bergleute führen auf der "Steigerführung" über die Zeche Zollverein in Essen und erzählen Persönliches.

Joachim Seitert, Jahrgang 1935, ist Steiger. "Meine Familie hatte mit dem Bergbau nichts zu tun", erzählt er. Trotzdem ging er 1955 als Maschinenschlosser zur damaligen Zeche Joachim. Seine Frau kam nämlich aus einer Bergmannsfamilie. "Der Bergbau stellte Wohnungen zur Verfügung", erzählt Seifert. Das war auschlaggebend.

Aufstieg zum Steiger auf Zollverein



"Morgen sofort anfangen", hieß es da. Auf der 12. Sohle war das, sechshundert Meter tief, komplett alleine. In seinem Flötz war es vierzig Zentimeter hoch, da knackte es rechts und links. "Da bin ich dann nur noch raus. Da gehe ich nie wieder rein, habe ich damals gesagt." Er ging doch: Am nächsten Tag half ihm aber ein Bergleiter. So begann Seifert als Maschinenschlosser unter Tage.

Steiger sind die Bergleute mit einer weiterführenden Bergschulausbildung oder Ingenieursstudium. Seifert macht ab 1960 für zwei Jahre in Süddeutschland ein Maschinenbaustudium. 350 D-Mark bekam Seifert danach auf Zeche Zollverein im Ruhrgebiet.

"Das war natürlich erst wenig", erzählt Seifert. 580 Mark war ein üblicher Lohn. "Aber man konnte sich auf Zollverein schnell hocharbeiten." 26 Jahre lang blieb er dort, bekam die Schließung der Zeche nicht mehr mit. "Ich bin vorher bereits zur Zeche Westerhold gewechselt." Nach acht Jahren kam dann dort der Ruhestand.

Zollverein und die verschlossenen Türen



Heute ist die Zeche Zollverein Unesco-Weltkulturerbe. Seifert und seine Kollegen führen Besuchergruppen durch die sonst verschlossenen Türen der Zeche Zollverein.

Dabei führt der Weg unter anderem durch die Kohlewäsche. Vierzig Meter, auf mehreren Etagen wurde hier die Kohle gewaschen. Aus 20 000 Tagestonnen Gesteinsmasse wurden so 12 000 Tonnen Kohle. Jeden Tag. 5000 Personen arbeiten einst auf Zollverein, 1986 wurde sie stillgelegt. Förderbänder, die Halle mit den Kohleloren, früher betäubte hier der Lärm.

Steigerführung über Zollverein



Heute ist es ein Rundgang für Besucher. Mit einem alten Film, Schaukästen und Devotialien der Arbeit. Der große Vorschlaghammer, ein Mottek also. Aber auch Gummistiefel und Grubenlampe. Die Kumpel von Zollverein haben alles liebevoll zusammengetragen, ihre Geschichtswerkstatt bewahrt das Erbe der harten Arbeit unter Tage. Und Joachim Seifert erzählt authentisch davon, regelmäßig am Freitagabend.


Details zur Führung:

  • Name: "Mit Steigern und Kokern unterwegs (Zollverein Schacht XII)"
  • Zeiten: Freitags, abends
  • Dauer: etwa 3 Stunden (2 Stunden Führung, 1 Stunde Getränkerunde)
  • Preis: 12 Euro pro Person, keine Ermäßigungen
  • Buchung: Stiftung Zollverein (Besucherzentrum Schacht 12)
    Tel. +49 (0) 201 83036-36
    Fax +49 (0) 201 33036-20
    E-Mail info@zollverein.de
    www.stiftung-zollverein.de

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Datum: 22.04.2010 12:30:00 Uhr
Autor: Jörg Stroisch
Fotos: Stiftung Zollverein/M. Duschner (Teaser/Textbild1), Brigida Gonzáles (Textbild 1)