Der Klee klebt auf dem Weg, wilde Birke streut sich in unregelmäßigen Reihen an der Grasnarbe. Hermann Neuhaus breitet seinen Arm über dem Dunkelschotterareal aus: "Und hier ist die ehemalige Kohleabraumhalde der Zeche Zollverein."
Mit dem Leder vorm Arsch durch den dunklen Stollen, bei 27 Grad Hitze. Mottek und Panschippe. Steinkohlebergbau im
Ruhrgebiet,
Zeche Zollverein in Essen. Hermann Neuhaus singt: "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt, und er hat sein helles Licht bei der Nacht, schon angezündt, schon angezündt." 5000 Menschen haben hier zu Hochzeiten gearbeitet,
1986 war Schluss. Heute strömen Touristen in die Bauhauszeche, Bergmann Neuhaus führt sie für fünf Euro über das Areal und vor allem durch den Arbeiterstadtteil Katernberg.
Gang durch Bergarbeitersiedlungen
"Das Leben spielte sich auf der Straße ab. 150 Blagen auf der Straße." Die Meerbruchstraße ist eine typische "Zechenkolonie" in Essen-Katernberg. Das "Gartenstadt"-Prinzip: alles aus einem Guss und doch individuell und wohnlich. Bunt verputzt stehen die Häuser, immer zwei Hälften, Steintreppe, etwas Rasen vor der Tür. Hinter dem Haus ein Garten und ein Verschlag. Im Stall stand dann früher die so genannte Bergmannskuh, die Ziege. Gedüngt wurde der Garten mit dem Plumpsklo.
Hermann Neuhaus rührt mit seinen Händen einen dicken Kreis. "So dick waren dadurch die Kappesköppe. Vierzig Zentimeter Durchmesser." Und im Verschlag am Haus gurrte das Rennpferd des Bergmanns. "Wenn da in der Siedlung die erste Brieftaube gesichtet wurde, dann konnte Mutter noch so oft zum Mittagessen rufen, da hingen alle mit den Augen im Himmel."
"Ade, nun Ade! Herzliebste mein! Und da drunten in dem tiefen, finstern Schacht - bei der Nacht, da denk ich dein. Da denk ich dein."
Hartes Bergarbeiter-Leben
"Schepp, schepp, quassele nicht." Unter Tage blieben Menschenleben. Noch in den fünfziger Jahren starben jährlich siebzig Bergleute im Stollen. "Mit den Sicherheitsbestimmungen war das da alles noch nicht so", erzählt Neuhaus. "Ich habe unter Tage noch meinen Konfirmationsanzug aufgebraucht. Nur einen Schlapphut auf dem Kopf. Wenn der Stein auf den Kopf fiel, war es dann vorbei."
Mit 16 fuhr er unter Tage, hat zunächst als Pferdejunge gearbeitet: "Mücke war mein Lieblingspferd", erzählt Neuhaus. "Der war schlau: Wenn der die Kohlewagen ziehen sollte, dann zählte er an den Schlägen mit. Und wenn es das elfte Mal "Klack" machte, dann ging der Lümmel keinen Meter mehr." Dann bestach der Pferdejunge den Klepper mit Kautabak. 1956 ging mit Mücke das letzte Pferd auf Zollverein in den Ruhestand. 1989 folgte Hermann Neuhaus.
"Die Bergleute, sein kreuzbrave Leut. Denn sie tragen das Leder vorm Arsch - bei der Nacht. Und saufen Schnaps. Und saufen Schnaps", singt Hermann Neuhaus.
Information:
Führung "Von der Bergmannskuh zum Triple Z"
Zeiten: etwa alle 6 Wochen, Samstag, 15 Uhr, oder nach Vereinbarung
Kosten: 5 Euro
Dauer: etwa 2 Stunden
Anmeldung: Telefon 0201 / 860 59 40,
Zollverein Touristik
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