45 Minuten pro Station, 4,5 Stunden durch die dunkle Winternacht. "Bei Nacht leuchtet das Ruhrgebiet heute in neuen Farben", erzählt Reiseleiter Andreas Pagé. "Die klassischen roten Warnfarben an den Schornsteinen der Industrie neben dem Kunterbunt der neuen Dienstleistungen." Die Tour "Nächte der 1000 Feuer" möchte leuchtende Eindrücke des Reviers vermitteln.
173 Zechen hatte das Revier früher, heute (2005) sind es noch sieben. 143 Kokereien backten damals Kokskohle, heute drei. 385
Hüttenwerke produzierten Roheisen, heute sechs. Der schmerzhafte
Strukturwandel des "Ruhrpotts" lässt sich auch an Zahlen ablesen. Blicke auf die Vergangenheit und doch ganz neue Eindrücke und Arbeitsbereiche rund um neue Dienstleistungen bieten die Industriedenkmäler der Industrieroute Ruhr.
Kokerei Zollverein
Über die A42 Richtung Essen. Dicke Wasserwolken steigen in den nächtlichen Himmel. Die Kokerei Prosper arbeitet 24 Stunden, ununterbrochen, etwa alle zehn Minuten wird hier Kokskuchen abgekühlt. Mit 40 000 Litern Wasser. Das riesige Industrieareal liegt direkt neben der Autobahn. In Essen-Katernberg, ein paar Ausfahrten weiter, liegt die
Kokerei Zollverein. 1961 in Betrieb genommen, 1993 stillgelegt. Sie gehört auch zum Unesco-Weltkulturerbe.
Wie der berühmte Schacht 12 auf der Zeche Zollverein ist sie ebenfalls komplett im Bauhausstil errichtet. "Heute wie früher sind die Zeche und die Kokerei zwei eigenständige Wirtschaftsbetriebe", erläutert Pagé. "1000 Personen arbeiteten hier in mehreren Schichten." Rund um die Uhr: Die Silikatauskleidung der Öfen durfte niemals unter 800 Grad abkühlen, "sonst bekommt die Anlage Risse und kann komplett entsorgt werden." Über 40 Jahre lang. Mit roten Farben für die Öfen und blauen für die Straßen verdeutlicht eine Lichtinstallation heute die alten Arbeitsbereiche.
Tetraeder Bottrop
Die höchste Abraumhalde im Ruhrgebiet steht in Bottrop. 60 Meter hoch wird sie von einer Stahlkonstruktion gekrönt. Das
Tetraeder ist 50 hoch, wackelig, windschief, begehbar. Die Lichtinstallation ist Lichtmarke auf einer "Landmarke" des Ruhrgebiets. Die angrenzenden Städte sind hier bei schönem Wettersichtbar, nachts sorgt die Bestrahlung der Industriedenkmäler der Region für Orientierung.
Direkt nebenan die Alpincenter-Sommerskibahn. Direkt nebenan die funktionierende Kokerei Prosper und der Schacht Prosper Haniel mit ihren offenen Feuern und Rauchwolken. Einen "Alpenterror" bekommen hier alle Reiseteilnehmer, der Gipfelschnaps ist ein Oberhausener Kräuterlikör mit 40 Prozent. "Glück auf", grüßt Andreas Pagé.
Gasometer Oberhausen
Exakt 117,5 Meter hoch ist der
Scheibengasometer in Oberhausen, der zweitgrößte weltweit. 347 000 Kubikmeter fasst er. Im Rhein-Herne-Kanal davor spiegelt sich die blaue Beleuchtung. Heute bietet er Raum für ausgefallene Ausstellungen. Die Siedlung "Am Grafenbusch" davor ist eine weitere Attraktion: "Achten sie auf die unterschiedliche Größe und Schönheit der Häuser", fordert Pagé. "Hier hat der kleine Angestellte und der Firmendirektor gewohnt." Links die kleinen Fassaden der kleinen Reihenhäuser. Rechts werden die Häuser immer geräumiger, am Ende bieten sie sogar eine Kutschenvorfahrt. 1910 ist diese Siedlung in ihren Ursprüngen entstanden. Wenige Minuten Fußweg zur Zeche oder zum Hüttenwerk, dort wo jetzt das
CentrO steht. Hier endet die Tour. Und hier ist auch die Nacht noch dunkel.
Details zur Führung- Name: Tour 37 - Gasometer Oberhausen, Tetraeder Bottrop, Kokerei Zollverein Essen
- Dauer: 4,5 Stunden, ab 18 Uhr
- Preis: 29 Euro pro Person
- Anbebot: nur in den Wintermonaten
Kontakt:
Telefon: 0203/4291919
Telefax: 0203/4291945
E-mail: info@tour-de-ruhr.de
www.tour-de-ruhr.de
Info-Linktipps:
Siedlung "Am Grafenbusch": www.route-de-industriekultur.de
Gasometer Oberhausen: www.gasometer.de
Kokerei Zollverein: www.industriedenkmal-stiftung.de
Tetraeder Bottrop: www.route-industriekultur.de
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