Standort: Unter dem Rock, in Höhe des Knies. Es ist warm, sehr warm. Kaum geht hier der ausgemauerte Sockel in die schwarz-glänzende Bronze über, steigt die Lufttemperatur um fünf bis zehn Grad. Draußen sorgt ein leichter Wind für ein wenig Kühlung. Exakt 58 Eisenstufen höher wird innen die Hitze derweil nahezu unerträglich. Es geht Richtung Kopf. Die Bavaria ist eine hübsche Frau, mit 28 Metern Höhe überdimensional. Und sie ist das Sinnbild Bayerns. In der rechten das schwere Eisenkreuz, die linke Hand streckt einen Lorbeerkranz gen Himmel. Fördern wollte er das "Selbstverständnis und Ansehen" seines Königreichs.
Die Bavaria - König Ludwigs Hoheitsstatue
Wie so oft in München ist auch für das weiße Büstenantlitz bedeutender Persönlichkeiten Bayerns im Säulengang der Walhalla und für die Bavaria-Statue König Ludwig der Urheber. Er regierte von 1825 bis 1848. Nach seinem Willen soll die Bavaria mit den "Hoheitsstatuen der Antike" wetteifern. Wie so oft in München muss der Tourist natürlich auch für diesen Wetteifer ein paar Euro berappen. Eigens ein Wärterhäuschen ist zu diesem Zweck in den Rocksaum der Bavaria eingelassen.
Aber der schwül-warme Aufstieg, die Enge in der schwarzen Bronze wird mit einem tollen Blick aus dem hohlen Kopf der Lieblichen belohnt. Der ist trotz Überdimension immer noch recht eng, mehr als zwei Personen finden hier kaum Platz. Die Frauenkirche ist zu sehen und natürlich zur richtigen Jahreszeit auch zu Füßen der Bavaria das Oktoberfest.
Gipfelpunkte in München
Innenstadtbereich: Der
"alte Peter", 91 Meter hoch. Oben steht auf dem Glasfenster "I love you Maxi" und auf einem Dokument dankt der Pfarrer den fleißigen Spendern. Die
Frauenkirche mit ihren beiden markanten Zwiebelglockentürmen, bis zu 100 Meter hoch ist es hier bis in die Spitze. Das alte Rathaus: Mit dem Aufzug geht es hier von der vierten in die achte Etage. Insgesamt ist es etwa 46 Meter hoch. Oder im Westen, da gibt es den Friedensengel.
Mit der U-Bahn ist es nicht weit, besteigbar ist die goldene Figur aber nicht und vom Sockel aus gibt es nur einen kleinen Überblick über die nähere Umgebung. Dafür ist sie geradezu eine ruhige Oase inmitten der Großstadt München. Und schließlich der Olympiaturm mitten im
Olympiapark. Insgesamt ist dieser 51.000 Tonnen schwere Koloss 291 Meter hoch, die Aussichtsplattform befindet sich bei 190 Metern. Und von da sind es dann nur noch ein paar Meter zum Olympiastadion.
Turmfalken über dem Fußballfeld
Das Turmfalkenpärchen zieht seine weiten Kreise über das grüne Fußballfeld. Jan Schindzielorz steht hoch: 45 Meter über dem Boden, gesichert duch einen Bergsteigergurt und den "Hund", einem kleinen Sicherungsdrehkreisel, der ihn mit einem Leitkabel sicher verbindet. Unter ihm das Nichts, 45 Meter, und dann ein paar grünbestuhlte Tribünen. Das Olympiastadion München im Norden der Stadt besitzt ein einmaliges Plexiglasdach. Und Jan führt Besuchergruppen über dieses Dach. 135.000 Gumminoppen, 8.300 Plexiglasplatten, 50.000 Fugenprofile, 1,5 Millionen Edelstahlschrauben. Pünktlich zur Olympiade 1972 schützte es die Besucher vor Wind und Wetter.
Am höchsten Punkt ragt es 65 Meter in die Höhe, gehalten durch schwere Pfeiler, die aufgrund der gewaltigen Windkräfte bewusst 1,50 Meter Bewegungsspielraum in alle Richtungen haben, ein Kugelgelenk macht das möglich. Und das Dach wackelt dadurch natürlich auch, zumindest, wenn Jan demonstrativ mal ein paar Hüpfer macht. "Richtig gefährlich ist es hier oben aber nur, wenn es blitzt", sagt der Sportstudent.
Die 34.0000-Quadratmeterfläche: Ein Paradies für Tauben wäre das eigentlich. Ihr Auswurf hätte vermutlich binnen Wochen das Plexiglasdach in eine undurchsichtig-stinkende Hülle verwandelt. "Die Erbauer haben da von Anfang an auf natürliche Abwehrmaßnahmen gesetzt", erklärt Jan. "Und Tauben haben nun mal eine höllische Angst vor Falken." Schon seit mehreren Generationen bewacht ein Turmfalkenpärchen so das Feld und das Plexiglas. In einem der gewaltigen Stützkolosse haben sie ihr Nest. Auf der Suche nach Beute kreisen sie so in weiten Bahnen über das Feld. Und über den Köpfen der Touristen auf dem Zeltdach.
-Werbung-