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Ein kleines Stück Italien im Kölner Süden

Ein Hauch Italien liegt in der Luft: Das feine Aroma des starken italienischen Espresso vermischt sich mit dem würzigen Duft von Knoblauch, geräuchertem Schinken und Olivenöl. Das "Sapori d'Italia" bietet italienisches Flair mitten in Köln.

Aus einer Ecke tönt geräuschvoll die Espressomaschine, im Hintergrund leise ein italienischer Schlager. Dazwischen das Summen der großen Schneidemaschine für Schinken, Wurst, Käse und Gemüse. "Sapori d`Italia", so heißt das kleine italienische Feinkostgeschäft mit integriertem Bistro, das sich mitten im Kölner Süden befindet, direkt am Karolingerring. Viele Italiener haben hier, in der Metropole am Rhein, eine neue Heimat gefunden und sich in der Gastronomie eine eigene Existenz aufgebaut.

Italien mitten in Köln



Es ist Montagmorgen, und noch herrscht Ruhe in dem kleinen Ladenlokal: ein kleines Stück Italien auf geschätzten 30 Quadratmeter Ladenfläche. Gerademal Platz für drei runde Stehtische aus Metall mit Barhockern, auf jedem Tisch steht schon ein Zuckerstreuer bereit. Am offenen Durchgang zum Nebenraum befindet sich rechts ein meterhohes Weißblechfass mit kleinem Zapfhahn: "Original italienisches Olivenöl aus Sizilien", erklärt das aufgeklebte weiße, handbeschriebene Schild dessen Inhalt.

Auch im Nebenraum ist jeder einzelne Quadratmeter voll ausgenutzt. An den Wänden Holzregale mit einem bunten Sortiment an italienischen Nudelsorten und Gebäck, Gläser mit ausgefallenen Saucen und natürlich zahlreiche Flaschen italienischen Rotweins, aus deren Mitte stolz eine Magnumflasche mit Chiantiwein hervorragt.

Gaumenfreuden aus Italien



Im Verkaufsraum sind die Auslagen der beiden Theken bereits gefüllt mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten: acht verschiedene Salamiarten, mindestens ebensoviele verschiedene Sorten an Käse. Dazwischen eine riesige Keule Parmaschinken neben einer XL-Mortadella am Stück. In der Theke nebenan liebevoll arrangiert die typischen italienischen Antipasti: eingelegte schwarze Oliven, gefüllte Peperoncini in Olivenöl, fingergroße Gambas im Salatbett.

Dazu mehrere Schüsseln mit italienischer Pasta: Farfalle unter gebratenem Lachs, muschelförmige Nudeln in feuriger Tomatensauce. Und nicht zu vergessen die vielen verschiedenen Ciabatte zum Mitnehmen, appetitlich angerichtet auf weißen Porzellanplatten. Alle frisch belegt mit Mozzarella, Schinken oder Salami, dekoriert mit gekräuselten Salatblättern und Tomatenscheiben. Knusprig und saftig zugleich zergehen sie auf der Zunge und wecken Erinnerungen an den letzten Italienurlaub.

Alles echt italienisch beim Sapori d'Italia



"Alles bei uns ist italienisch – originale", betont Santina, "sogar wir alle!" Damit meint sie ihre Familie, denn "Sapori d`Italia" ist ein echter Familienbetrieb: Ihr Mann Angelo, ein Sizilianer, ist der Besitzer des Geschäfts, zuständig für Einkauf und Organisation. Serena, die ältere der beiden Töchter Fiorello, 24 Jahre, ist nach einer Ausbildung bei Ikea seit März hier fest angestellt.

Und auch Irene, die fünf Jahre jüngere Schwester, hilft ab und zu aus, wenn viel Betrieb ist. Deren Freund Giuseppe – selbstverständlich auch Italiener – macht hier seit Jahresbeginn eine Ausbildung. Und die ältere Dame, die still an einem kleinen Bistrotisch ihren Espresso trinkt, ist "la nonna", Santinas Mutter.

Köln - Die nördlichste Stadt Italiens



Die Fiorellos sind ein Beispiel für viele Menschen fremder Nationalitäten, die ihren Weg nach Köln gefunden haben. Die Zureise der ausländischen Mitbürger begann bereits in den 50-ger Jahren, als mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Mangel an Arbeitskräften herrschte. Im September 1964 wurde der 1 Millionste Ausländer am Kölner Hauptbahnhof feierlich begrüßt. Heute sind von den knapp 1 Million Einwohnern, die Köln zählt, etwa 177.000 Ausländer, rund 19.000 davon Italiener.

"Wir fühlen uns hier wohl", bestätigt Santina, deren Mutter 1976 aus Salerno nach Köln gekommen ist, um einen Neustart zu wagen – ohne Mann, aber dafür mit fünf Kindern. Und als Santina 1980 ihren Angelo, einen Sizilianer, in einem italienischen Kullturverein in Köln kennenlernte, war eine Rückkehr nach Italien ohnehin kein Thema mehr.

Mehrere Geschäfte erinnern an die Herkunft Italien



Ihre italienische Lebensart haben sie sich dennoch auch hier in Köln, der "nördlichsten Stadt Italiens", bewahrt. Sie alle haben die italienische Staatsangehörigkeit behalten, die Kinder sprechen Italienisch und Deutsch fließend, der Freundeskreis besteht größtenteils aus Italienern. Und um die Ecke im gleichen Viertel findet man noch zahlreiche weitere italienische Geschäfte: etwa die Kneipe "Formula Uno" im Zugweg, das Café "Settebello" in der Alteburger Straße, die Eisdiele "Das Forum" am Ubierring.

Es ist Mittagszeit. Aus der Küche ziehen immer stärker die Düfte frisch zubereiteter Pasta in den Laden. Ein Stimmengewirr aus italienischem Singsang und kölschen Tönen füllt den kleinen Raum. Die Mikrowelle klingelt, die Schaumdüse der Espressomaschine zischt. Dazwischen die Stimme Santinas, die jeden Kunden mit einem herzlichen "Buongiorno" begrüßt und einem freundlichen "Ciao" wieder verabschiedet. Und irgendwo aus all diesen Geräuschen dringt ganz leise aus dem Recorder Celentanos "Lasciatemi Cantare".

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Datum: 25.01.2010 12:30:00 Uhr
Autor: Andrea Hobusch
Fotos: Pressefoto (Teaser/Textbild1), Pressefoto (Textbild 1)